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Ich
hatte herausgefunden, dass mich Latexkleidung anmacht und ganz neue
Gefühle in mir auslöst. Das kühle und etwas abweisende Gefühl, wenn
man es anzieht. Das besondere, angenehme Gefühl, wenn sich das
Outfit zart an den Körper anschmiegt und von innen heraus warm wird.
Der süssliche Duft, der zunächst zart im Raum liegt und dann immer
strenger wird, wenn man mehrere Teile anzieht. Und der Sinnesrausch,
wenn man dann von Kopf bis Fuss komplett gummiert ist.
Ich
hatte eine ganz neue Quelle der Anregung erschlossen, eine völlig
neue Welt entdeckt. Ich konnte diesem erregenden Gefühl keinen Namen
geben, konnte das nicht erklären, konnte zunächst mit Niemanden
darüber reden. Es war wie eine verbotene Frucht, die besonders gut
schmeckt. Ein Gefühl, das mich in Träumen verfolgte und mich auch
tagsüber bei der Arbeit aus heiterem Himmel immer wieder heimsuchte.
Eine zeitlang konnte ich es kaum erwarten, dass es endlich
Feierabend wurde und ich wieder in meine Gummihaut steigen
konnte. Dieses Glücksempfinden war allerdings auch mit Schuldgefühlen
verbunden. Ich wusste nicht mit wem ich darüber reden konnte und kam
mir irgendwie innerlich einsam vor, andersartig und vielleicht etwas
krank.
In
der Folgezeit entdeckte ich, dass es offenbar noch andere Leute gab,
die auf Gummi standen. Keine Leute, die ich kannte, aber
irgendwelche Leute. In einem Sexshop entdeckte ich Erotikbücher der
Firma VIOLA. „Gummischule“, „Viola Bizarr“ hiessen diese Werke.
Heisse gummigeile Stories mit ebenso scharfen Fotos. Die Firma VIOLA
scheint ja heute vom Markt verschwunden zu sein. In den 80er und
90er Jahren war sie jedoch einer der wichtigsten Anbietern von
Büchern und Videos zum Thema Gummi. Jedenfalls habe ich damals
einige Produkte erstanden, immer nur ein Artikel aufs Mal, weil sie
furchtbar teuer waren und ich furchtbar wenig Geld zur Verfügung
hatte. Latex oder Fetisch allgemein waren im Fernsehen völlig
abwesend. Es gab auch keine Szene oder Internet und eine zeitlang
frönte ich meinen Gummigelüsten im stillen Kämmerlein. Die Stories
und Videos von VIOLA sah ich auch nicht als real an. Ich dachte
immer, das sei eine pure Lusterfindung der Pornoindustrie. So etwas
konnte es doch im richtigen Leben gar nicht geben. Oder?

Meine
Meinung änderte sich, als ich eines Tages englische Magazine mit den
Titeln „Rubberist“ und „Dressing for Pleasure“ in die Hand bekam. In
der Anfangszeit waren das noch keine Vollprofiproduktionen. Sie
waren noch schwarz-weiss, irgendwie Kult aus dem Underground.
Faszinierend fand ich, dass die Fotos offensichtlich keine
Profimodels zeigten, sondern real existierende Menschen. Nicht
unbedingt Schönheitsköniginnen, sondern Menschen wie du und ich.
Genau so spannend fand ich die Artikel und Leserbriefe, in denen
Latexfans ihr Leben oder ihren Weg zum Fetisch beschrieben. Zum
ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass ich doch nicht der Einzige
war, der auf Latex stand. Ja es gab tatsächlich noch andere Leute,
die das gleiche Empfinden hatten.
Latexfetisch hat zwar heute immer noch einen Hauch von Verruchtheit,
es ist noch immer nicht einfach mit Jedem darüber zu reden. Aber die
Hülle und Fülle von Büchern, Magazinen oder Internetseiten zum Thema
zeigt doch, dass das Interesse an Fetisch sich in der Bevölkerung
ausbreitet. Ich habe Partnerinnen kennengelernt, zu denen
eine tiefe innere Zuneigung bestand. Leider konnten die mit Fetisch
nichts anfangen. Eine ist sogar mal fluchtartig verschwunden, als
ich mich nach einigen Wochen geoutet habe :-) Ja ich habe auch
Partnerinnen kennengelernt, die auf Latex standen, mit denen jedoch
das Zwischenmenschliche nicht wirklich harmonisierte. Ich möchte an
dieser Stelle nicht zu weit in den privaten Bereich vordringen.
Meine Homepage soll ja Fetischfantasien anregen und keine
Lebensbeichte werden! Als Schlusswort kann ich daher nur sagen:
Fetischgelüste hin oder her...eine befriedigende dauerhafte
Partnerschaft beruht vor allem auf Liebe und Verständnis. Alles
andere ist bestenfalls als Zwischenlösung geeignet.
Gepostet am 19.09.2005
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