|
Können Sie sich kurz vorstellen ?
Ich
bin ein Mann, 42 Jahre alt und wohne im Elsass. Ich bin in einer
Vertriebsfirma tätig und habe beruflich absolut nichts mit dem
Erotik- oder Fetischbusiness zu tun.

Was
ist Ihre Definition von Fetischismus ?
In
Wörterbüchern wird der Fetisch als ein Gegenstand oder
Kleidungsstücke beschrieben, die einen speziellen Reiz auf eine
Person ausüben, bzw. die sich nach und nach als Ersatz für die
natürliche sexuelle Anziehung zu einer anderen Person entwickeln.
Was mich betrifft ist es richtig, dass meine Fetischneigungen eine
Art Fixierung sind, die irgendwo aus dem Nichts gekommen sind, mich
aber nie wirklich loslassen. Allerdings sehe ich das in keinster
Weise als Ersatz für eine echte Beziehung, noch bin ich davon
täglich abhängig. Es ist eher eine Möglichkeit meine inneren
Energien zu fokussieren und gewisse Lustempfindungen zu steigern.
Was
ist Ihr Lieblingsmaterial?
Ich
stehe vor allem auf Latex, in allen Ausprägungen. Ich mag es wie
Gummi den Körper umhüllt, ihn verhüllt und gleichzeitig zur Geltung
bringt. Ich mag die Berührung mit dem weichen und warmen Material
und das umschliessende Gefühl beim Tragen. Lack und Leder haben auch
ihren visuellen Reiz, machen mich aber nicht so an wie Gummi.
Abgesehen davon liebe ich erotische Bondage. Ich mag es, wenn eine
Frau leicht gefesselt ist oder kunstvoll mit Seilen umwickelt ist.
Ich habe allerdings keine ausgeprägten SM-Neigungen und bin nicht
auf der Suche nach extremen Spielen. 
Was
empfinden Sie wenn Sie dieses Material tragen ?
In
Latex verpackt vergesse ich den Alltag. Es ist als ob ich in eine
andere Welt ginge. Sehen was auf der anderen Seite des Spiegels
verborgen ist. Ich vergleiche das gerne mit dem Ying Yang Symbol:
ich habe eine weisse Seite, die für das Rationale, die Konformität
und die Zwänge des Alltags steht. Ich habe aber auch eine schwarze
Seite, die für die Freiheit, die Fantasie und das Anderssein steht.
Haben Sie ein
Lieblingsoutfit ?
Ich habe kein
absolutes Lieblingsoutfit.
Das
hängt von meiner Laune und den gegebenen Umständen ab. Wenn ich mal
auf eine Party gehe, dann sind das eher leichte Outfits, in denen
man sich einfach wohlfühlt. Privat mag ich auch die komplette
Eingeschlossenheit in Gummi, manchmal mit Gasmake. Dann ist man wie
in einem Kokon eingehüllt. An Einzelteilen stehe ich besonders auf
Catsuits, Korsetts und schenkellange Stiefel. Insbesondere wenn eine
Frau sie trägt, weil die weiblichen Rundungen durch diese
Accessoires besonders gut zur Geltung kommen.
Was
empfinden Sie beim Tragen dieser Outfits ?
Es
ist eine Möglichkeit aus dem Alltag zu entfliehen, in eine andere
Dimension vorzustossen. Ich übertreibe jetzt vielleicht ein wenig.
Aber in einer Vollgummierung ist die Wahrnehmung der Aussenwelt
völlig anders. Ich habe das Gefühl meinen eigenen Körper viel
intensiver zu spüren, ich vernehme zum Beispiel bewusst den
Herzschlag und die Atmung. Sachen an die man normalerweise gar nicht
denkt.
Was
bringt ihnen das ?
Ich
bin wahrscheinlich wie alle anderen Fetischinteressierten. Es geht
nicht um irgendeine harmlose Art von Verkleidung um auf einen
Maskenball zu gehen. Das Fetischoutfit hat immer eine erotische
Dimension. Es ist eine Art Katalysator um die eigene Lust zu
steigern und diese –wenn möglich- in einer Beziehung auszuleben.
Können Sie uns etwas über ihre ersten Fetischempfindungen erzählen?
Ich
möchte jetzt nicht bis zu den Vorläufern in meiner Kindheit
zurückgehen. Mein erstes echtes Fetischempfinden hatte ich mit etwa
20 Jahren. Ich hatte eine schwarze Lederhose mit Schnürung gekauft.
Meine damalige Freundin fand das total sexy. Ich bin dann ein paar
Monate fast nur noch so herumgelaufen. Sie kaufte sich einen Rock
und eine Corsage, auch aus Leder. Eine Zeitlang hat uns das stark
angemacht. Später habe ich dann Gummi entdeckt und noch intensivere
Gefühle und Empfindungen, die mich seitdem nicht mehr verlassen
haben. 
Gehen Sie an Fetischparties ?
Ab
und zu gehe ich auf Parties und würde es gerne öfter tun. Leider
gibt es da wo ich wohne nicht die geringste Gelegenheit zum
Ausgehen. Offensichtlich existiert in Frankreich die Latexszene
ausschliesslich in Paris. Das ist natürlich hinderlich für alle, die
weit weg wohnen. Ich gönne mir ja gerne mal ein verlängertes
Wochenende in Paris, aber mit Anreise, Hotel und Nebenkosten, ist
das nicht ganz billig.
Haben Sie eine Lieblingsinternetseite ?
Ich
muss zunächst gestehen, dass ich normalerweise kein Kunde von
Payseiten bin. Einige scheinen ja interessant zu sein (Latexlair,
Rubbereva) aber die geforderten Preise erscheinen mir doch etwas
überrissen, nur um ein paar Fotos zu sehen. Ich mag viel lieber
Privatseiten, deren Inhalt (Texte und Bilder) mich wesentlich mehr
anspricht. Es gibt aber noch ein paar Fotografenseiten (Hypnox,
Lithium Picnic), die mich aus kreativer Sicht sehr ansprechen.
Haben Sie eine eigene Homepage ?
Ja,
ich habe eine kleine Amateurseite
mystic-impact.com, die seit Anfang 2005 online ist. Damit
habe ich eine Ausdrucksmöglichkeit für einen Teil meiner
Fetischfantasien. Bei meinen eigenen Fotoshootings versuche ich die
ausgetretenen Wege zu umgehen (so im Stil „Model mit einstudierter
Standardpose vor einer weissen Leinwand“). Ich distanziere mich auch
von dem billigen, ordinären Ton, der manchmal auf Sexseiten
herrscht. Ich bin zwar fetischinteressiert, aber noch lange kein
Besessener, der irgendwelche Anmachersprüche nötig hat. Meine
Homepage hat eher einen hedonistischen Grundton: Spass daran haben
seine Fetischträume zu inszenieren und diese anderen zugänglich zu
machen.
Warum haben Sie diese Homepage gestartet ?
Dafür gibt es mehrere Gründe. Zunächst habe ich festgestellt, dass
ich zu stark von der Konsumgesellschaft beeinflusst werde. Lesen,
Fernsehen oder im Internet surfen, das ist in Ordnung um sich zu
entspannen. Aber sehr passiv. Irgendwann hatte ich Lust auch mal
selbst aktiv zu werden, meine Fantasie kreativ auszuleben.
Zweitens habe ich festgesllt, dass es zahlreiche Privatseiten in
Deutschland oder England gibt, aber ganz wenige in meinem Heimatland
Frankreich. Meine Seite soll ein kleiner Beitrag sein um diese Lücke
ein wenig zu schliessen.
Möchten Sie von anderen Fetischinteressierten kontaktiert werden ?
Mit
meiner Homepage wollte ich ursprünglich abchecken, ob es im Elsass
bzw. im Osten Frankreichs noch ein paar andere echte
Fetischinteressierte gibt. Zum Beispiel um einen festen Kern
zusammenzutrommeln und vielleicht ab und zu mal eine kleine
Fetischparty zu veranstalten, da es ja keine einschlägigen Clubs bei
uns gibt. Die Reaktionen aus der Gegend sind aber recht selten und
vor allem sehr schüchtern. Ich erhalte mehr motivierte Mails aus der
weiten Welt, zum Teil sogar aus Japan oder Australien. Das ist
übrigens nicht unangenehm, ist es doch eine Begleiterscheinung des
Internets: mit einem Klick kann man um die ganze Welt reisen.
Darüber hinaus habe ich mit Angeboten zu Partnertausch oder Gang
bangs absolut nichts
am
Hut. Bin aber immer sehr an einem Austausch mit
anderen Latexfans interessiert.
Geschrieben am 12.04.2006 |