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Ein Interview mit Rubycon

 

Für die französische Homepage FOR FETISH PEOPLE habe ich am 12.04.2006 ein kleines Interview gegeben, welches nachfolgend abgebildet ist.

Die Fragen stellte Fleshware

Die Antworten gab Rubycon (Für alle deutschsprachigen Besucher meiner Homepage habe ich an dieser Stelle eine deutsche Übersetzung gepostet)

 

 

Können Sie sich kurz vorstellen ?

Ich bin ein Mann, 42 Jahre alt und wohne im Elsass. Ich bin in einer Vertriebsfirma tätig und habe beruflich absolut nichts mit dem Erotik- oder Fetischbusiness zu tun.

Was ist Ihre Definition von Fetischismus ?

In Wörterbüchern wird der Fetisch als ein Gegenstand oder Kleidungsstücke beschrieben, die einen speziellen Reiz auf eine Person ausüben, bzw. die sich nach und nach als Ersatz für die natürliche sexuelle Anziehung zu einer anderen Person entwickeln. Was mich betrifft ist es richtig, dass meine Fetischneigungen eine Art Fixierung sind, die irgendwo aus dem Nichts gekommen sind, mich aber nie wirklich loslassen. Allerdings sehe ich das in keinster Weise als Ersatz für eine echte Beziehung, noch bin ich davon täglich abhängig. Es ist eher eine Möglichkeit meine inneren Energien zu fokussieren und gewisse Lustempfindungen zu steigern.

Was ist Ihr Lieblingsmaterial?

Ich stehe vor allem auf Latex, in allen Ausprägungen. Ich mag es wie Gummi den Körper umhüllt, ihn verhüllt und gleichzeitig zur Geltung bringt. Ich mag die Berührung mit dem weichen und warmen Material und das umschliessende Gefühl beim Tragen. Lack und Leder haben auch ihren visuellen Reiz, machen mich aber nicht so an wie Gummi. Abgesehen davon liebe ich erotische Bondage. Ich mag es, wenn eine Frau leicht gefesselt ist oder kunstvoll mit Seilen umwickelt ist. Ich habe allerdings keine ausgeprägten SM-Neigungen und bin nicht auf der Suche nach extremen Spielen.  

Was empfinden Sie wenn Sie dieses Material tragen ?

In Latex verpackt vergesse ich den Alltag. Es ist als ob ich in eine andere Welt ginge. Sehen was auf der anderen Seite des Spiegels verborgen ist. Ich vergleiche das gerne mit dem Ying Yang Symbol: ich habe eine weisse Seite, die für das Rationale, die Konformität und die Zwänge des Alltags steht. Ich habe aber auch eine schwarze Seite, die für die Freiheit, die Fantasie und das Anderssein steht.

Haben Sie ein Lieblingsoutfit ?

Ich habe kein absolutes Lieblingsoutfit. Das hängt von meiner Laune und den gegebenen Umständen ab. Wenn ich mal auf eine Party gehe, dann sind das eher leichte Outfits, in denen man sich einfach wohlfühlt. Privat mag ich auch die komplette Eingeschlossenheit in Gummi, manchmal mit Gasmake. Dann ist man wie in einem Kokon eingehüllt. An Einzelteilen stehe ich besonders auf Catsuits, Korsetts und schenkellange Stiefel. Insbesondere wenn eine Frau sie trägt, weil die weiblichen Rundungen durch diese Accessoires besonders gut zur Geltung kommen. 

Was empfinden Sie beim Tragen dieser Outfits ?

Es ist eine Möglichkeit aus dem Alltag zu entfliehen, in eine andere Dimension vorzustossen. Ich übertreibe jetzt vielleicht ein wenig. Aber in einer Vollgummierung ist die Wahrnehmung der Aussenwelt völlig anders. Ich habe das Gefühl meinen eigenen Körper viel intensiver zu spüren, ich vernehme zum Beispiel bewusst den Herzschlag und die Atmung. Sachen an die man normalerweise gar nicht denkt.

Was bringt ihnen das ?

Ich bin wahrscheinlich wie alle anderen Fetischinteressierten. Es geht nicht um irgendeine harmlose Art von Verkleidung um auf einen Maskenball zu gehen. Das Fetischoutfit hat immer eine erotische Dimension. Es ist eine Art Katalysator um die eigene Lust zu steigern und diese –wenn möglich- in einer Beziehung auszuleben.


Können Sie uns etwas über ihre ersten Fetischempfindungen erzählen?

Ich möchte jetzt nicht bis zu den Vorläufern in meiner Kindheit zurückgehen. Mein erstes echtes Fetischempfinden hatte ich mit etwa 20 Jahren. Ich hatte eine schwarze Lederhose mit Schnürung gekauft. Meine damalige Freundin fand das total sexy. Ich bin dann ein paar Monate fast nur noch so herumgelaufen. Sie kaufte sich einen Rock und eine Corsage, auch aus Leder. Eine Zeitlang hat uns das stark angemacht. Später habe ich dann Gummi entdeckt und noch intensivere Gefühle und Empfindungen, die mich seitdem nicht mehr verlassen haben. 
 

Gehen Sie an Fetischparties ?

Ab und zu gehe ich auf Parties und würde es gerne öfter tun. Leider gibt es da wo ich wohne nicht die geringste Gelegenheit zum Ausgehen. Offensichtlich existiert in Frankreich die Latexszene ausschliesslich in Paris. Das ist natürlich hinderlich für alle, die weit weg wohnen. Ich gönne mir ja gerne mal ein verlängertes Wochenende in Paris, aber mit Anreise, Hotel und Nebenkosten, ist das nicht ganz billig. 

Haben Sie eine Lieblingsinternetseite ?

Ich muss zunächst gestehen, dass ich normalerweise kein Kunde von Payseiten bin. Einige scheinen ja interessant zu sein (Latexlair, Rubbereva) aber die geforderten Preise erscheinen mir doch etwas überrissen, nur um ein paar Fotos zu sehen. Ich mag viel lieber Privatseiten, deren Inhalt (Texte und Bilder) mich wesentlich mehr anspricht. Es gibt aber noch ein paar Fotografenseiten (Hypnox, Lithium Picnic), die mich aus kreativer Sicht sehr ansprechen.  

Haben Sie eine eigene Homepage ?

Ja, ich habe eine kleine Amateurseite mystic-impact.com, die seit Anfang 2005 online ist. Damit habe ich eine Ausdrucksmöglichkeit für einen Teil meiner Fetischfantasien. Bei meinen eigenen Fotoshootings versuche ich die ausgetretenen Wege zu umgehen (so im Stil „Model mit einstudierter Standardpose vor einer weissen Leinwand“). Ich distanziere mich auch von dem billigen, ordinären Ton, der manchmal auf Sexseiten herrscht. Ich bin zwar fetischinteressiert, aber noch lange kein Besessener, der irgendwelche Anmachersprüche nötig hat. Meine Homepage hat eher einen hedonistischen Grundton: Spass daran haben seine Fetischträume zu inszenieren und diese anderen zugänglich zu machen.

Warum haben Sie diese Homepage gestartet ?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zunächst habe ich festgestellt, dass ich zu stark von der Konsumgesellschaft beeinflusst werde. Lesen, Fernsehen oder im Internet surfen, das ist in Ordnung um sich zu entspannen. Aber sehr passiv. Irgendwann hatte ich Lust auch mal selbst aktiv zu werden, meine Fantasie kreativ auszuleben. Zweitens habe ich festgesllt, dass es zahlreiche Privatseiten in Deutschland oder England gibt, aber ganz wenige in meinem Heimatland Frankreich. Meine Seite soll ein kleiner Beitrag sein um diese Lücke ein wenig zu schliessen.

 

Möchten Sie von anderen Fetischinteressierten kontaktiert werden ?

Mit meiner Homepage wollte ich ursprünglich abchecken, ob es im Elsass bzw. im Osten Frankreichs noch ein paar andere echte Fetischinteressierte gibt. Zum Beispiel um einen festen Kern zusammenzutrommeln und vielleicht ab und zu mal eine kleine Fetischparty zu veranstalten, da es ja keine einschlägigen Clubs bei uns gibt. Die Reaktionen aus der Gegend sind aber recht selten und vor allem sehr schüchtern. Ich erhalte mehr motivierte Mails aus der weiten Welt, zum Teil sogar aus Japan oder Australien. Das ist übrigens nicht unangenehm, ist es doch eine Begleiterscheinung des Internets: mit einem Klick kann man um die ganze Welt reisen.

Darüber hinaus habe ich mit Angeboten zu Partnertausch oder Gang bangs absolut nichts am Hut. Bin aber immer sehr an einem Austausch mit anderen Latexfans interessiert.


Geschrieben am 12.04.2006